Architekten-Blog für Südtirol

Beton in Bewegung

Zaha Hadid Architects – Phæno Science Center – Wolfsburg. Gerade einmal acht Jahre alt, aber schon längst ein Klassiker der zeitgenössischem Architektur: Zaha Hadids Wissenschaftszentrum Phæno in Wolfsburg. Aus massivem Sichtbeton, der trotzdem in Bewegung ist, zumindest optisch.


Das Phaeno Science Center befindet sich im Stadtzentrum von Wolfsburg direkt neben dem Bahnhof am Ende der Porschestraße. Der städtbaulich eher vernachlässigte Bereich ist geprägt von Bauten der 1950er- und 1960er-Jahre. In diesem heterogenen Umfeld hebt sich das Wissenschaftsmuseum durch seine skulpturale Architektur heraus, ordnet den Bahnhofsvorplatz neu und bietet in der Autostadt von Volkswagen jenseits des Mittellandkanals eine architektonische Attraktion.

Eine fließende Betonlandschaft

Als Zaha Hadid im Januar 2000 den Wettbewerb für das Wolfsburger Wissenschaftszentrum Phæno gewonnen hatte, da hatte die irakisch-stämmige Architektin erstmals die Möglichkeit, ihre Vorstellungen in größerem Maßstab umzusetzen. Bis dahin galten ihre experimentellen Entwürfe den meisten potenziellen Bauherren als zu gewagt. Doch der Mut der Verantwortlichen hat sich ausgezahlt: Statt einer risikofreien 0815-Lösung erhielt die Volkswagenstadt eine avantgardistisch fließende Beton-Erlebnislandschaft.


Der massive Sichtbetonkörper mit einer Länge von 154 m und einer Breite von 80 m wird von insgesamt zehn kegelförmigen Volumina unterschiedlichen Zuschnitts, den sogenannten Cones, gehalten. Der darunterliegende öffentlich zugängliche Raum erinnert an eine fließende Landschaft mit Höhlen und Grotten.

Schwebende Betonlandschaft

Ausgangspunkt des dreiecksförmigen Entwurfs war die Lage des Grundstücks in direkter Nähe zum Hauptbahnhof sowie zum VW-Werk und der angrenzenden Volkswagenstadt am gegenüberliegenden Ufer des Mittellandkanals. Als Antwort auf diesen heterogenen städtebaulichen Kontext gestaltete Zaha Hadid das Phæno als dynamisch bewegte Betonlandschaft mit überraschenden Einschnitten, spitz zulaufenden Formen und mit asymmetrischen Fensteröffnungen unterschiedlichster Größe und Form.


Das Phæno ruht auf zehn mächtigen Betonstützen. © Clemens Ortmeyer

Die Aufständerung des wuchtigen Baukörpers auf zehn konischen Betonstützen lässt dabei den Eindruck entstehen, als würde der Koloss unmerklich über einer künstlichen Höhlenlandschaft schweben.

Zur Belebung des öffentlichen Stadtraumes unterhalb des Wissenschaftszentrums haben die massiven Säulen aber nicht nur eine tragende Funktion, sondern nehmen in ihrem Inneren gleichzeitig ein Geschäft, eine Bar, ein Bistro sowie den Haupteingang zum Phæno auf.

Auch innen fließt das Gebäude

Ähnlich spektakulär präsentiert sich auch der Innenraum des Neubaus. Mit Hilfe von 27.000 Kubikmetern Beton – und unterstützt durch eine komplexe Schalungsgeometrie –, hat Zaha Hadid ein offenes Raumkonzept mit künstlichen Kratern, Plateaus und schiefen Ebenen geschaffen, in dem mehr als 350 Experimentierstationen zu Entdeckungsreisen in die Welt der Naturwissenschaft und Technik einladen.

Innen und Außen gehen dabei ohne klar definierte Grenze fließend ineinander über. Zur Erschließung der verschiedenen Ebenen stehen Rampen, Rolltreppen und Treppenaufgänge zur Verfügung. Komplettiert wird die komplexe Museumswelt durch die im gesamten Gebäude erlebbaren Betonstützen, die gleichzeitig auch das Dach des Phæno tragen.

Fakten:

Konstrukteur: Stadt Wolfsburg
Architekt: Zaha Hadid Architects, London
Fertigstellung: 11/2005
Material Tragwerk: Stahlbeton, Ortbeton, Betonfertigteil
Material Fassade: Beton, Sichtbeton
Material Dach: Metall, Stahl
Größe: BGF: 12.600 m²

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