Architekten-Blog für Südtirol

Ein Haus wie ein Schiff

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Wohnhaus Futurarc 1 in Warnemünde. An der Ostsee ein Haus zu bauen, das aussieht wie ein Schiff auf der Ostsee ist naheliegend und ungewöhnlich zugleich. Ein solches außergewöhnliches Wohnhaus mit sehr hellen Sichtbetonfassaden steht wenige Minuten vom Ostseestrand entfernt in einer Neubausiedlung.


Ist hier etwa ein Raumschiff gelandet oder eine moderne Yacht vor Anker gegangen? Im Neubaugebiet Hohe Düne unweit der Ostsee bei Warnemünde liegt ein bemerkenswerter Betonbau unerwartet zwischen ganz normalen Wohnhäusern.

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Der besondere Zuschnitt des Areals hat den jungen Architekten Holger Borgwardt zu einem außergewöhnlichen Entwurf geführt. Das Eckgrundstück bot ihm Gelegenheit zur Entwicklung einzigartiger Wohnungsgrundrisse. Die hohe Wohnqualität ist vor allem in den rundum verglasten Wohn- und Esszimmern spürbar. Diese nach Süden hin orientierten Räume werden von Tageslicht durchflutet. Umlaufende Balkonbrüstungen münden nach vorne in ein spitz zulaufendes Sonnendeck. So verlaufen Innen und Außen fließend ineinander.

Auch die übrigen Räume mit ihren übereinander angeordneten quadratischen Fenstern wirken durch interessante Ausblicke und Lichtverhältnisse. Nach Osten und Süden hin geht der Ausblick über Wiesenflächen hinweg ins Grün hinein, von den oberen beiden Geschossen sogar bis aufs Wasser hinaus.

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Die ungewöhnliche Baukörperform von „Futurarc 1“ mit seinen weit auskragenden Sonnendecks realisierte Architekt Holger Borgwardt ganz aus Stahlbeton.

Bauherr und Architekt in Personalunion

Am exponierten Standort konnte Holger Borgwardt als Bauherr und Architekt in Personalunion moderne Betonarchitektur nach individuellen Vorstellungen umsetzen. Alle Etagen des Wohnhauses sind komplett von Fassaden aus Sichtbeton umhüllt, die innenseitig gedämmt wurden. Konstruktive Maßnahmen wie thermische Trennungen und flankierende Dämmung waren notwendig, um Wärmebrücken auszuschließen. Ab dem zweiten Geschoß verlaufen leichtgeneigte Betonfassaden bis zur obersten Sonnenterrasse.

Ursprünglich wollte Architekt Borgwardt, der auch Energieberater ist, seinen Wohnbau mit Leichtbeton mit höherem Dämmwert errichten. Bei einer Leichtbeton-Baustelle sollte das Lieferwerk nicht weiter als maximal 20 Kilometer entfernt von der Baustelle sein. Bei längeren Fahrzeiten wird der Zuschlag aus weicherem Blähtonen im Betonmischer zermahlen.

In der Region fand sich aber kein Unternehmen, das beim Betonieren von Leichtbeton Erfahrung gehabt hätte. So wurde dieses Thema wieder ad acta gelegt. Man entschied sich für einen „normalen“ Stahlbetonbau mit Innendämmung und thermisch von den Außenwänden entkoppelten Decken und Wandflächen.

Beton mit Hochofenzement

Der Sichtbeton dieser Außenwände sollte ohne Pigmentierung oder die Zugabe von Titanoxid sehr hell ausfallen, so der Wunsch des Bauherrn.

“Wir empfahlen daher einen Beton mit Hochofenzement, mit einem hohen Anteil von Flugasche. Er bringt eine hellere Optik als Portlandzement, zeigt eine sehr schöne Oberfläche, mit einem ganz hellen Grau“, erklärt Wolfgang Schäfer vom Bauzentrum Beton.

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Problem: geneigte Sichtbetonflächen

Konstruktiv sind geneigte Sichtbetonflächen schwieriger auszuführen als senkrechte, was mit den aufsteigenden Blasen beim Einbringen des Betons zusammenhängt. Da die Luft nach oben steigt, fallen die schrägen Flächen häufig porig aus. Das Rütteln in schrägen Schalungen ist schwierig.

Es galt einen geeigneten Beton zu finden, mit dem ein Ergebnis zu erzielen ist, das die Beteiligten zufrieden stellt. Insbesondere Architekt und Bauherr müssen die Anmutung der Betonflächen später gut heißen; das erfordert auch, dass der entsprechende Beton vom Betonwerk in gleichbleibender Qualität geliefert und vom ausführenden Unternehmen in der abgesprochenen Sichtbetonqualität am gesamten Bauwerk realisiert werden kann. Selbstverdichtender Beton, der ohne Rütteln auskommt, war für diesen Wohnbau zu teuer.

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Auch im Inneren des Hauses fühlt man sich als wäre man auf der Kommandobrücke eines Hochseeschiffes mit Blick auf die Ostsee.

68 Tonnen Stahl verbaut

Die Geometrie des Bauwerks, die großen Flächen der weit auskragenden Etagen wie auch die Lochfassaden erforderten einen hohen Bewehrungsgrad, der nicht nur aufgrund der statischen Anforderungen, vielmehr auch zur Rissbegrenzung nötig war. Insgesamt wurden 68 Tonnen Stahl verbaut und unterstützen die homogene Ansicht des Betons an der Oberfläche.

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Vom „Oberdeck“ hat man einen weiten Blick auf die Ostsee. Alle Bilder: Stephan Falk/BetonBild

Projekt Infos:

Wohnhaus Futurarc 1 in Warnemünde
Bauherr: Holger Borgwardt, Rostock
Projektbeteiligte: Holger Borgwardt, Rostock; bsb Bau Malchin GmbH, Malchic (Bauunternehmen); Ingenieurgesellschaft Dr. Apitz mbH, Schwerin (Tragwerksplanung); Dipl.-Ing. Wolfgang Schäfer (Vorberatung Bautechnik Informations Zentrum Beton)
Baujahr: 2014
Ort: Warnemünde, Deutschland

Verwendeter Beton: C30/37 XC4 XF1 XS1, Konsistenzklasse F3, Größtkorn 16 mm mit CEM III/B 42,5 LH/HS/NA.

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