Architekten-Blog für Südtirol

Ein Keil aus Sichtbeton

centro-roberto-garza-sada-udem-monterrey-tadao-ando-ruarte-contract2

Centro Roberto Garza Sada in Monterrey. Ein Skulpturaler Sichtbetonkeile aus 800 Tonnen Stahl und 1.300 m³ Beton. Obwohl der japanische Architekt Tadao Ando mit inzwischen 72 Jahren nicht mehr der allerjüngste ist, scheint sein Schaffensdrang ungebrochen. Rund um den Globus entwickeln er und sein Team aufsehenerregende Bauwerke, zuletzt das Centro Roberto Garza Sada (CRGS) für die Universidad de Monterrey (UDEM) im Nordosten Mexikos.


Im Kontrast zum kargen Gebirgszug der Sierra Madre Orientale steht der massive, zweigeteilte Betonbau, dessen beiden Teile keilförmig ineinandergreifen und so ein großes dreiecksförmiges Tor entstehen lassen, von Ando „Gate of Creation“ genannt.

centro-roberto-garza-sada-udem-monterrey-tadao-ando-ruarte-contract2
26.1913191
Der nach einem ehemaligen Förderer der Universität benannte Neubau beherbergt die Fakultät für Kunst, Architektur und Design, die als erste Adresse für Studenten dieser Fachbereiche in Lateinamerika gilt.

An der Stirnseite im Westen ist eine fast gebäudehohe Öffnung eingeschnitten, die den Bau längs in zwei Hälften teilt. Dazwischen sind in der offenen Mitte Treppen, Lichthöfe und das halbrunde Auditorium angeordnet.

20.1913161

Die schräge Unterseite des einen Keils ist glatt, die andere fächerförmig abgetreppt und darüber hinaus abgerundet. Alle anderen Oberflächen der Betonhaut sind glatt geschalt. Lichtschlitze, die im Verhältnis zum gewaltigen Bauvolumen extrem schmal erscheinen, sind die einzigen Öffnungen in den Längsfassaden des Universitätsgebäudes. Insgesamt hat das Gebäude eine Länge von 99 Metern und eine Breite von 27 Metern auf, die Gebäudehöhe beträgt rund 30 Meter, die Gesamtfläche 13.115 Quadratmeter.

22.1913171
Das statische System basiert auf einem Stützenraster von 9,00 m. In Querrichtung ergeben sich damit drei Zwischenräume, längs sind es elf. Vier Hauptträgerrahmen in Längsrichtung steifen die Struktur aus und stabilisieren den Bau.

Die „Fuge“ ist das Zentrum der Fakultät, deren Innenleben von außen her sichtbar ist. Auf sechs jeweils 5,40 Meter hohen Ebenen sind Arbeits- und Seminarräume, Ausstellungsflächen und Cafeterien, Hörsäle und Verwaltungsräume für 1.500 Studenten und Angestellte untergebracht.

Von der Westseite führt eine Treppe über einen zweigeschossig verglasten Eingang in das darüberliegende Geschoss in das Auditorium. Zwei Zugänge verbinden es mit den Längshälften; auf einer liegt es aus statischen Gründen auf. Rund um das Auditorium verlaufen weitere Treppen in die oberen Geschosse.

29.1913211

23.1913149

Der Beton dient als Energiespeicher

Sämtliche Wärme- und Kälteerzeuger sowie die Beleuchtung werden bedarfsgerecht mittels Sensoren über die Gebäudesystemtechnik gesteuert. Sie sorgt nicht nur für die jeweils klimatisch besten Arbeitsbedingungen pro Raum, sondern passt auch den Energieverbrauch genau auf den tatsächlichen Bedarf an.

Das Haus selbst trägt zur Energieeinsparung bei. Die Gebäudemasse aus Beton dient als Speicher. Auf der Südseite verhindert eine Zweischeibenwärmeschutzverglasung in Kombination mit einer automatischen Jalousienanlage ein zu starkes Aufheizen der Räume durch direkte Sonneneinstrahlung.

Beton mit geringem Wasseranteil

Wie bei anderen Gebäuden von Tadao Ando, ist auch in Monterrey die Ausführung des Sichtbetons nahezu perfekt. Für die in Ortbeton errichteten Außenwände sowie die Längswände zur Gebäudefuge hin verwendete man glatte, nicht saugende Schaltafeln im Format 4,50 x 1,50 m. Die Herstellung der hyperbolisch geformten Gebäudeunterseite mit ihrer treppenartigen Struktur in Längsrichtung stellte einen enormen Schalungsaufwand dar, zumal sämtliche Ecken scharfkantig ausgearbeitet wurden.

25.191318127.1913201

Zur hohen Qualität des Betons tragen das genaue Mischungsverhältnis von Beton zu Wasser, die optimierte Anordnung von Bewehrungsstahl und Abstandshaltern sowie die Abstände der Bewehrungsstäbe untereinander bei. Der geringe Wasseranteil des Betons macht ihn beständig und sorgt für eine lange Haltbarkeit. Betoniert wurde in einem Schritt ohne Betonierabschnitte. Mehr als 800 Tonnen Stahl und 1.300 m³ Beton wurden verbaut.

centro-roberto-garza-sada-udem-monterrey-tadao-ando-ruarte-contract

Neben der großzügigen Verwendung von Sichtbeton kommen in einigen Innenräumen Granit für die Böden und Holzpaneele an Trockenbauwänden und abgehängten Decken zum Einsatz, einige Wände sind verputzt. Die meisten Böden bestehen jedoch aus poliertem, epoxidharzbeschichtetem Beton, der Innenausbau des Auditorium besteht aus Betonfertigteilen. Die Kosten für den Fakultätsneubau betrugen 33 Millionen Euro.

Fakten

Architekt: Tadao Ando, Architect & Associates, Osaka
Bauherr: Universidad de Monterrey (UDEM)
Projektbeteiligte: Lend Lease Australia, Millers Point (Projektentwicklung und Ausführung, Generalunternehmer)
Baujahr: 2013
Ort: 66238 San Pedro Garza García, Av. Ignacio Morones Prieto 4500 Pte

Sagen Sie uns Ihre Meinung

*