Architekten-Blog für Südtirol

Ein Turm der Stabilität?

Wenn der Euro nun zerbricht so bleibt uns allen doch das wunderschöne neue Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main; der Hauptstadt des Geldes. Nichts auf der Welt hat eine größere Anziehungskraft auf den Menschen als Geld. Ein aussagekräftiges Prestige dafür entsteht derzeit in Frankfurt.


Vor rund 12 Monaten haben die Arbeiten auf der Baustelle des Neubaus der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend begonnen. Das voraussichtlich Ende 2013 fertiggestellte Projekt der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au soll die Frankfurter Skyline um einen 185 Meter hohen Doppelturm ergänzen. Die Planung sieht zwei extrem schlanke, dabei eigentümlich verkantete Hochhausscheiben mit 43 bzw. 45 Geschossen vor, die durch ein zentrales dreigeteiltes Atrium zu einem markanten polygonalen Ensemble zusammengefügt werden.


Auf einer Fläche von insgesamt rund 185.000 Quadratmetern sollen hier demnächst rund 2500 Mitarbeiter für die weitere Stabilität des Euro sorgen. Den horizontalen Gegenpol dazu schafft die Verbindung des Neubaus mit der denkmalgeschützten früheren Frankfurter Großmarkthalle, die 1928 nach Plänen von Martin Elsässer gebaut worden war und die mit ihrer markanten Backsteinarchitektur bis heute die Ansicht des nördlichen Mainufers zwischen Innenstadt und Osthafen prägt.

Seit ihrer Gründung im Juni 1998 ist die EZB im 1977 errichteten Eurotower am zentral gelegenen Willy-Brandt-Platz ansässig. Schon damals gab es erste Überlegungen für einen eigenständigen Neubau der Bank. Aus dem 2005 ausgeschriebenen Wettbewerb war dann schließlich der Entwurf von Coop Himmelb(l)au als Sieger hervorgegangen. Nach rund zweijähriger Verzögerung durch die erfolglose Suche nach einem Generalunternehmer konnte allerdings erst im Mai 2010 mit dem Bau begonnen werden. Für eine konkrete Vorstellung vom Gebäude hilft daher nur der Blick auf die vorliegenden Visualisierungen: Eine zentrale Entwurfsidee der Architekten ist danach die Unterteilung des zentralen Atriums durch horizontale Zwischenebenen, so dass letztlich drei Abschnitte mit unterschiedlichen Höhen von etwa 45 bis 60 Metern entstehen. Die eingefügten Plattformen schaffen Raum zur Begegnung und fungieren gleichzeitig als direkte Verbindung zwischen den beiden Bürotürmen.


Es geht um viel Geld

Ein weiteres wichtiges Element des Entwurfes ist die Umnutzung der sanierten Großmarkthalle zu einem „urbanen Foyer“ mit Konferenz- und Besucherzentrum, Bibliothek und Restaurant, die jeweils als unabhängige Baukörper in die Halle eingestellt werden. In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege – und nach langem Urheberrechtsstreit mit der Familie Elsässer –, soll außerdem ein stählerner Querriegel in die Struktur des Altbaus eingefügt werden. Der an seinem Ende asymmetrisch verformte, oberhalb des Eingangs frei in den Stadtraum hineinragende Baukörper wird künftig als Eingangscenter und als Pressezentrum der EZB dienen. Die Auswirkungen dieses massiven Eingriffes in den Altbau bleiben abzuwarten. Und ebenso bleibt die Hoffnung, dass von dort aus künftig nur positive Nachrichten über den Euro in die Welt getragen werden.

EZB Neubau in Frankfurt soll Turm der Stabilität werden

Wolkenkratzer sind außer einem Arbeitsplatz für Tausende Mitarbeiter seit jeher auch ein Symbol der Macht. Je spektakulärer und größer sie sind, desto mächtiger sind auch ihre Besitzer. In Frankfurt am Main, einem der wichtigsten Finanzplätze Europas sind es vor allem die Banken, die hier ihre Stärke demonstrieren.


Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, bezeichnete das neue EZB-Gebäude als ein Symbol „für die Stabilität des Euro und die geforderte Transparenz des europäischen Finanzplatzes“. Demensprechend wurden auch Eurobanknoten und –münzen aus allen Euro-Ländern und Tageszeitungen aus 27 EU-Mitgliedstaaten in den Grundstein gelegt. Der Bau der neuen EZB-Türme sollte bereits vor einem Jahr beginnen, doch massiv gestiegene Preise für Rohstoffe machten den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Zudem fand die EZB lange keinen Generalunternehmer, der das Mammutprojekt nach Plänen des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au stemmen wollte.


Gebaut werden die beiden ineinander gewundenen, 185 Meter hohen Türme auf dem Areal der denkmalgeschützten Großmarkthalle im Frankfurter Ostend. Der 220 Meter lange Klinkerbau wird dabei im Zuge des Neubaus neue Aufgaben erhalten, ein Konferenz- und Besucherzentrum, eine Bibliothek und eine Kantine sollen hier einziehen.

Die Fertigstellung der Gebäude ist für Ende 2013 geplant. Anfang 2014 sollen dann auch die 1.400, bisher auf mehrere Gebäude in Frankfurt verteilten EZB-Mitarbeiter, in die neuen Räumlichkeiten einziehen. Wenn nichts dazwischenkommt, wird das Gebäude dann knapp 850 Millionen Euro gekostet haben.

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