Architekten-Blog für Südtirol

Ein Weinstock aus gelbem Beton

Eine Weinkellerei, entworfen von Jesús Marino Pascual, wird zur neuen Landmarke für die kleine spanische Provinz La Rioja. La Rioja ist eine kleine Provinz im Baskenland.

Unter Kennern ist la Rioja für seinen exklusiven Wein bekannt. Die Fläche der Provinz ist fast ausschließlich der Landwirtschaft und dem Weinanbau gewidmet. Es gibt ca. 250 Weinkellereien, sogenannte Bodegas. Diese Bodegas liegen zu einem großen Teil unterirdisch, um für die insgesamt ca. 900.000 gelagerten Eichenfässer die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten.

Oberirdisch zieren meist große, beeindruckende Gartenanlagen die alten Bodegas. Die neueren Bodegas hingegen zeigen oberirdisch häufig eine prestigeträchtige und aufwändige Architektur.

Die Bodega Antión, entworfen von Jesús Marino Pascual, stellt einen sehr gelungen Mittelweg zwischen dem alten und dem neuen Architekturstil dar.

Aus der Dynamik einer Welle

Eine 18.127 Quadratmeter große, L-förmige Parzelle zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem Dorfrand von Elciego stand bereit. Das Architekturbüro Jesús Marino Pascual sorgte 2008 für die optimale Bebauung.

Die architektonische Gesamtform der Bodega Antión hat die Dynamik und Höhenabfolge einer auslaufenden Meereswelle. An eine Bodensenke angepasst, liegt der Gebäudekomplex zwischen den Äckern und Fluren von la Rioja. Auch farblich lehnt sich die Bodega Antión an die Umgebung an. Bis auf die Front aus Glas im Norden und den Produktionszylinder aus Edelstahl, besteht das ganze Gebäude aus ockerfarbenem Beton.

Wie ein begehbare Rebstock

Die Ausrichtung der Baukörper in den Himmelsrichtungen spielt für die optimale Beschattung eine entscheidende Rolle. Im Süden liegen die rechteckigen Warenlager, die zu zwei Dritteln unterirdisch und zu einem Drittel oberirdisch sind. Der östliche Bereich des Gebäudes ist ganz unter der Erde, da dort die Weinfässer kühl gelagert werden müssen. Im Norden fächert sich das Gebäude in mehrere wellenförmig auslaufende Arme auf. Die Enden der Arme werden durch die geteilte Glasfassade markiert. Hier sind die einzigen Fensteröffnungen des gesamten Komplexes. Um die Kühlung zu gewährleisten, kommt direktes Sonnenlicht lediglich durch der Eingang für Besucher in das Gebäude.

Die eigentlichen Funktionen der Bodega befinden sich, wie auch die Wurzel eines Rebstockes, unterirdisch. Große beeindruckende Gewölbe und Säulengänge mit moderner Ausstattung verbinden eine uralte Weintradition mit neuer Architektur.

Im Inneren, ein magischer Ort

Mehrere übereinander und nebeneinander gesetzte Ebenen sorgen für insgesamt 12.165 Quadratmetern Nutzfläche im gesamten Gebäude.

Durch unterschiedliche Höhen und unterschiedliche Ausformulierungen der Räume, Mauern und Flächen entstanden sehr spannende Raumbezüge. Die Formen der Gebäude wurden oberirdisch durch eine ein Meter hohe Mauer und durch gestaltete Außenbereiche pointiert.

Natürlichkeit aus dem Farbeimer – der Beton

Die ockergelbe Farbe des Betons ist das Verbindungselement zwischen innen und außen sowie zwischen den verschiedenen Ebenen und Raumsituationen der Bodega. Auch die verwendeten Materialien, wie die locker gesetzten Steinmauern im Außenbereich, haben dieselbe Farbgebung der Umgebung. Form und Farbe lassen so das Gebäude mit seiner Umwelt verschmelzen.

Dazu wurden 12.000 Quadratmeter Beton mit Bayferrox®-Gelb der Firma Lanxess eingefärbt. Bayferrox®-Gelb ist ein Eisenoxid-Gelbpigment, das vor Ort direkt dem Beton beigemischt wird. Zur Einfärbung von einem Kubikmeter Beton benötigt man 10 kg des Pigments. Dieser „ready-mix“ ermöglichte eine schnelle und günstige farbliche Anpassung der Bodega Antión.

Objekt: Bodega AntiónJesús Marino Pascualla Riojarss
Architekt: Jesús Marino Pascual
Baujahr: 2008
BGF: 18.127

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