Architekten-Blog für Südtirol

Eine Kirche für alle

Diese Kirche dürfte auf der ganzen Welt einzigartig sein, denn sie ist sowohl das Gotteshaus für Katholiken, als auch für Protestanten. Eine Kirche für alle Christen – nicht das einzige was an diesem Gebäude besonders ist. Auch die Architektur aus Sichtbeton sucht seinesgleichen.

Wie im klassischen Kirchenbau besitzt das Gebäude drei Längsschiffe. Die beiden Seitenschiffe beherbergen die Kirchenräume. Dabei nimmt die katholische Kirche auf ihrer Seite die ganze Länge ein, während die kleinere evangelische Kirche in ihrem räumlichen Schwerpunkt dem katholischen Kirchenraum gegenüberliegt. Das Mittelschiff beherbergt die gemeinsame Eingangshalle, deren raumhohe Betonwände zu den beiden Kirchen bei Bedarf zur Seite geschoben werden können. Sind diese vier Wände geöffnet, entsteht der große ökumenische Raum.


Im nordöstlichen Abschnitt befindet sich ein viergeschossiger Bereich, in dem die Gemeinderäume und die Verwaltung angesiedelt sind, das „Haus im Haus“.

Zwei Konfessionen, eine evangelische, eine katholische Kirche, nutzen gleichzeitig ein Kirchengebäude. Vier tonnenschwere Betonwände können zur Seite geschoben werden, um zeitweilig einen einzigen ökumenischen Gesamtraum aus den beiden Kirchenräumen zu machen.



Die Konstruktion

Der steife Baukörper verteilt die Lasten unter optimaler Ausnutzung der zulässigen Bodenpressung auf den tiefer liegenden Bau­grund. Das Gesamtsystem ermöglicht die exakte Bestimmung der Überleitungskräfte in den Arbeitsfugen der Wände.

Auf die statischen Berechnungen und dem daraus folgenden 3D Modell der Kirche wurde ein geometrisch dreidimensionale Darstellung der Schalpläne erstellt. So konnte die ausführende Baufirma zuverlässig das Schalungssystem entwickeln.


Alle Außen- und Innenwände, selbst die auf Schienen verschiebbaren Trennwände, sind in Sichtbeton­qualität errichtet. Um alle thermischen und statischen Anforderungen zu erfüllen, weisen die gegossenen Außenwände aus Leichtbeton eine Mindestdicke von 40 Zentimetern auf. Eine imposante Holzbalkendecke spannt sich zwischen die mächtigen Wände und fasst die drei Kirchenräume unter einem gemeinsamen Dach zusammen.

Die Tragstruktur präsentiert sich als hybride Rohbaukonstruktion: Im Bereich der Sichtbetonaußenwände wurde ein Leichtbeton der Betongüte B25 eingesetzt, der zugleich wärmeisolierend wirkt. Bei den tragenden Innenwänden wurde hingegen ein B25 Normalbeton verwendet.

Die Wände aus Sichtbeton

Die Außenwände wurden in drei Abschnitten mit einer Schusshöhe von jeweils etwa viereinhalb Metern betoniert. Der Zuschnitt der Schalbretter erfolgte werkseitig nach digitalen Schnittmustern und wurde in kompletten Bausteinen auf die Baustelle geliefert.Aufgrund der ungewöhnlich hohen Außentemperaturen im Sommer 2003 in Kombiation mit der großen Wandstärke entstanden durch die Hydratationswärme beim Abbinden Temperaturen, die zeitweilig eine Wasserkühlung der Schalung notwendig machten.

Auch energetisch seiner Zeit voraus

Als Heizsystem wurde in allen Räumen eine Fußbodenheizung, die aus der städtischen Fernwärme gespeist wird, installiert. Der eingesetzte Regenwassersammler ermöglicht die weitere Verwendung des Wassers in den Sanitärbereichen.

Da die Stadt Freiburg eine Vorbildfunktion in Bezug auf die Niedrigenergiehaus-Bau­weise beansprucht, werden alle öffentlichen Gebäude nach dem Niedrigenergiehaus-Standard entsprechend dem Freiburger Berechnungsverfahren errichtet. Hieraus ergibt sich für die Bereiche mit Normaltemperatur ein zulässiger Energiebedarfskenn­wert Heizwärme von 65 KWh/(m2a). Der vorhandene Energiebedarf liegt bei 59 KWh/(m2a) und erfüllt somit die Vorgaben über-deutlich.



© Kister Scheithauer Gross

Maria-Magdalena-Kirche-Freiburg
Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner
Architekt: Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner
Fertigstellung: 2004
Brutto Grundfläche: 2200 qm

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