Architekten-Blog für Südtirol

Energieautarkes Wohnen – dieses Haus macht es möglich

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Weniger ist mehr. Simplify your Life. Der Trend zum autonomen, einfachen, unabhängigen Wohnen scheint ungebrochen. Viele Menschen wünschen sich nicht mehr „das Traumhaus“ irgendwo, sondern wünschen sich viel mehr Freiheit. Dieses Wohnhaus der beiden Österreicher Theresa Steininger und Christian Franta nacht es möglich. Ihr Wohnhaus ist komplett autark.


Wahrer Luxus ist Reduktion

Wie viel Haus benötigen wir eigentlich wirklich zum Leben? Weniger als man denkt – wenn die Qualität stimmt und man mitten im Grünen sein kann. Für Theresa Steininger und Christian Frantal reichen 25 Quadratmetern daher völlig aus.

Für sie liegt der wahre Luxus ohnehin in der Reduktion, wovon sie gern auch andere Menschen überzeugen wollen. Deshalb hat das Duo aus Österreich vor zwei Jahren das Social Startup Wohnwagon gegründet.

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Mit Wohnwagon wollen Steininger und Frantal unabhängigen und mobilen Lebensraum in Einklang mit der Natur anbieten. Gefertigt aus natürlichen und regionalen Rohstoffen, wie Fichte, Lärche oder Schafwolle ist Wohnwagon aber viel mehr als ein hippes Holzhaus auf Rädern.
Wohnen ohne Betriebskosten

Wer darin lebt, hat keine Betriebskosten, sieht man einmal von maximal 120 Euro für Holz ab, die man zum Zuheizen verwenden könne, sagt Steiniger. Denn der Wohnwagon ist ein völlig autarkes System, das ohne Kanalisation, Strom, Wasser und Wärme von extern auskommt. Dafür sorgen eine Biotoilette, ein Wasser-Kreislaufsystem und ein Solaranlage mit Energiespeicher.

Je nach Bedarf können Kunden die für sie passende Energie-Variante und Größe wählen. Wer dort das ganze Jahr über wohnen möchte, hat laut Wohnwagon genug Strom für zwei Laptops, Bildschirm, WLAN-Router, Wasserkocher, Handy-Ladegerät, Radio, Beleuchtung, Wasserpumpen und sogar eine kleine Waschmaschine. Wer mehr braucht, etwa um ein kleines Musikstudio (!) betreiben zu können, bekommt auch das, so Steininger.

„Wir wollen selbstbestimmtes, zukunftsfähiges Wohnen greifbar machen“, sagt die studierte Betriebswirtin und Geschäftsführerin. Deshalb hat sie sich gemeinsam mit ihrem Partner überlegt, wie ein Lebensstil aussehen könnte, der in Kreisläufen funktioniert und die Umwelt nicht belastet.

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25 qm zum wohlfühlen. So sieht ein Wohnwagon von innen aus.

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Komplett autark, von Wasseraufbereitung über Photovoltaik-Anlage bis zur Bio Toilette. Wohnwagon kann man aufstellen wo man will.

Dachpflanzen reinigen das Wasser

Entwickelt haben sie ein ausgeklügeltes System, das nicht nur überzeugte Selbstversorger begeistern dürfte. Das Flachdach fängt Regenwasser auf, das gefiltert wird. Ein bodenintegrierter Tank sammelt dieses Wasser und verteilt es zur Dusche, den Wasserhähnen und zum isolierten Warmwassertank. Dort wird das Wasser über das Solarpanel aufgeheizt.

Scheint die Sonne längere Zeit nicht, sorgt eine elektrische Heizwendel im Tank für warmes Wasser. Diese wird über die Photovoltaik-Anlage oder den Batterie-Speicher betrieben.

Der Warmwassertank unter dem Badebereich ist nach oben weniger stark isoliert und dient somit gleich auch als Fußbodenheizung. Eine Pumpe bringt das benutzte Wasser anschließend wieder in den Kreislauf. Sie transportiert es in die Grünkläranlage auf dem Dach. Darauf wachsen Sumpflanzen, die besonders gut geeignet sind, um Wasser zu reinigen.

Mikroorganismen in den Wurzeln spalten die Stoffe im Grauwasser (etwa verbrauchtem Duschwasser) auf, sodass die Pflanzen sie als Nährstoffe aufnehmen können. Übrig bleibt: Sauberes Wasser (hier ist der Prozess genau beschrieben). Getrennt davon funktioniert die Bio-Toilette. Sie produziert aus den Ausscheidungen Dünger, der Kot wird zu Schwarzerde.

Der Wohnwagon eignet sich als Garten-Büro, Hotelzimmer, Camper oder auch als Erst- oder Zweitwohnung. Ihr erster Kunde, ein Unternehmer, lebt im Wohnwagon außerhalb von München auf seinem Grundstück. Er wollte einfach unnötigen Ballast abwerfen, sagt Steininger.

Doch selbst Familien könnten im Wohnwagon leben. Für sie würde man einfach zwei große Wagen zusammenschließen, Schiebetüren einziehen und Bereiche für Kinder und Eltern abtrennen, meint die Gründerin. Mit Terrasse wären das 60 Quadratmeter.

Ein Grundstück für 100 Euro im Jahr

Wer keinen eigenen Grund oder Garten besitze, könne sich einfach ein Stück Grünland pachten. Die Kosten seien niedrig und lägen in Österreich bei etwa 100 Euro im Jahr, schätzt Steininger.

Die Probleme, die bei vereinzelten Bauprojekten außerhalb größerer Wohnbereiche auftreten (Zersiedelung), sieht Steiniger bei Wohnwagon und ihren Kunden bislang nicht. Denn es müssten keine neuen Wasser- oder Stromleitungen gelegt werden.

Außerdem sei die Zielgruppe sehr umweltbewusst, weshalb sie auf häufige Autofahrten etwa zum nächsten Supermarkt ohnehin verzichtete.

Über 80 Anfragen habe Wohnwagon seit der Gründung bislang erhalten und drei Roll-Häuser verkauft. Nach einer ersten erfolgreichen Crowdinvesting-Runde über “Conda” wollen die Sozialunternehmer auf derselben Plattform nun erneut Geld einsammeln.

Bis Anfang April hoffen sie, 70.000 Euro zu sammeln, um mit der Produktion in Serie zu gehen und den Webshop auszubauen. Dort wollen die Österreicher ihre “Autarkie-Systeme” wie die Grünwasseranlage auch getrennt anbieten. Die Kosten für einen Wagen liegen je nach Größe und Ausstattung zwischen 40.000 und 80.000 Euro.

Website: www.wohnwagon.at >>

Hier das Video zur Crowdfunding-Kampagne:

Quelle: Wiwo Green

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