Architekten-Blog für Südtirol

Erstarrte Welle

Das Dach des London Aquatics Centres: wie eine Meereswelle – erstarrt, um den Augenblick zu überdauern. Der eigentliche Star der Spiele. Das London Aquatics Centre von Zaha Hadid


Das kürzlich fertig gestellte London Aquatics Centre von Zaha Hadid Architects ist der letzte Baustein und der krönende Abschluss der Großbaustelle Olympia London 2012. Pünktlich ein Jahr vor Eröffnung der Olympischen Spiele kann nun der Probelauf beginnen.

Ausgetragen werden hier während der Olympischen Spiele die Wettkämpfe im Schwimmen, Synchronschwimmen und Wasserspringen. Auch die Teildisziplin Schwimmen des Modernen Fünfkampfs findet hier statt. Die Wettkämpfe im Wasserball werden in der angrenzenden Water Polo Arena ausgetragen. Bei den Paralympics finden hier die Wettbewerbe im Schwimmen statt.

Am 27. Juli 2011, genau ein Jahr vor der Eröffnung der Sommerspiele, wurde die Halle eröffnet. Nachdem die geplanten Baukosten dreimal erhöht werden mussten; belaufen sie sich heute auf 232 Millionen £.[1] Gebaut wurden zwei 50-Meter-Becken und ein 25-Meter-Sprungbecken.



Die Welle berührt dreimal den Boden

Architektonische Beachtung gilt insbesondere dem 160 m langem Dach, das die Form einer Welle hat. Nach Abschluss der Wettkämpfe wird die Halle auf eine Kapazität von 2.500 Plätzen verkleinert. Die Anlage soll dann durch Vereine und Schulen öffentlich genutzt werden und langfristig außerdem als Trainingszentrum dienen.

Während der olympischen Spiele werden 15.000 Sitzplätze benötigt.

An drei Stellen berührt es den Boden und leitet so die immensen Kräfte der versteckten Stahl-Raumfachwerk-Konstruktion in den Boden ein. Damit verliert das Dach seine bloße raumbegrenzende Funktion und wird zu einem eigenen architektonischen, plastischen Element. Zaha Hadid ließ sich bei der Planung des London Aquatics Centres durch Bewegungen von Wasser und durch Unterwasserwelten inspirieren.

Die bogenartigen Öffnungen zwischen Dach und Boden sollen mit großflächigen Glasfassaden ausgefüllt werden, so zumindest der ursprüngliche Plan. Die Konstruktion der Tribünenbauten ist teilweise sichtbar und alles wirkt insgesamt roh und unfertig, die Intention von Zaha Hadid kann man nur noch erahnen.





Schwimmen im Innern eines Wals

Der Hauptraum mit dem 50-Meter-Schwimmbecken und einem Tauchbecken wird bestimmt von der organisch geformten Decke, die mit ihrer dunklen Verkleidung an das Innere eines Walbauchs erinnert.

Auf beiden Seiten des „Bauches“ steigen die langen Reihen der Zuschauertribünen hinauf. An einem Ende des Beckens befinden sich drei Sprungtürme aus Sichtbeton, die wie Zungen in den Raum ragen.

Edler Sichtbeton bestimmt auch die Zugangswege und Verkehrszonen des Innenraums, kontrastiert durch weiße, schlichte Fließen. Ein weiterer Raum mit einem Übungsbecken wirkt fast nüchtern und schlicht. Die Sichtbetondecke mit einem interessanten Blatt-Muster aus Oberlichtern schafft einen edlen und monumentalen Innenraum.

Angesichts der sanft wallenden Formen könnte man fast vergessen, dass hinter der leicht erscheinenden Architektur Unmengen von Stahl Höchstleistungen vollbringen. Nur zum Vergleich: Das Dach des benachbarten Velodroms kommt mit 300 Tonnen Stahl aus, während im Dach des Aquatics Centres das Zehnfache verbaut wurde.

In London kann man sich durchaus glücklich schätzen, die Stadt ist mit dem Aquatics Centre auch nach den Spielen um ein imposantes Bauwerk reicher ist.


Architekten: Populous – Olympia Stadion London 2012 – Great Britain, England, London

Quelle Architektur: Mapolis

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