Architekten-Blog für Südtirol

Geschwungene Fassade aus 150 Betonfertigteilen

Betonfertigteile sparen zwar viel Geld beim Bau, mit ihnen kann man aber keine schöne Architektur errichten. Wie falsch dieses unter Architekten weit verbreitete Vorurteil ist, zeigt die Firmenzentrale Kaffee Partner in Osnabrück. Ein geschwungenes Fassadenbänder aus 150 Betonfertigteilen. Eines dieser hier verwendeten Fertigteile wiegt 6 Tonnen.

Expressiv geschwungene Formen kennzeichnen die Firmenzentrale des Unternehmens Kaffee Partner im niedersächsischen Osnabrück. Leicht und lebendig soll das Gebäudeensemble wirken, sagen die Architekten und Designer 3deluxe aus Wiesbaden.

An der östlichen Grundstücksecke des 28.600 m² umfassenden Firmenareals erbauten sie einen strahlend weißen, zwei- bis sechsgeschossigen Kopfbau, der L-förmig an eine bestehende Logistikhalle mit Werkstatt anschließt.

Visueller und organisatorischer Dreh- und Angelpunkt der Firmenzentrale ist der nach außen organisch geformte Eckbau der Verwaltung. Trotz der wellenartigen Auskragungen einzelner Etagen beruhen Grundrisse und Tragstrukturen auf einem orthogonalen Raster.

Der nordöstlich gelegene Haupteingang zwischen Verwaltung und Kundenbetreuung führt zum Foyer mit Produktausstellung, Cafeteria und mehreren Lounges. Als halböffentliches Forum für Angestellte und Besucher dient es der internen und externen Kommunikation.

Auch innerhalb des Verwaltungstraktes sind neben den Büros und Konferenzräumen mehrere Sitzecken angeordnet, um die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern zu fördern. Der Vorstand hat seine Räume im Penthouse auf der Dachterrasse: Panoramafenster ermöglichen von hier den freien Blick über das Firmengelände.

Analog zur Fassade sind die Ausbaumaterialien vorrangig in Weiß und naturnahen Brauntönen als Bezug zur Welt des Kaffees gestaltet.

Der Beton

Asymmetrisch geschwungene, geschossübergreifende Fassadenbänder aus Beton verbinden die drei Baukörper miteinander und überspielen das Konstruktionsraster der Betonskelettbauten.

Passgenau zusammengesetzt aus 150 maßgefertigten Betonfertigteilen, strukturieren sie die mehr als 100 m lange Straßenansicht der Firmenzentrale und verleihen ihr Tiefe und Dynamik.

Die auf der Baustelle als „Förmchen“ bezeichneten Betonfertigelemente wiegen jeweils sechs Tonnen.

Um die wellenförmigen Fassadenbänder umsetzen zu können, mussten sie zentimetergenau rundumlaufend an den Rohbau angepasst werden. Der Fassade vorgehängt und schneeweiß gestrichen, sind sie wie Balkone aufgebaut, allerdings nicht begehbar. Insgesamt wurden 6.000 Kubikmeter Beton und 600 Tonnen Stahl am Verwaltungsgebäude und Lager verbaut.

Quelle: Baunetz Wissen Beton
Bildnachweis: Sascha Jahnke und Emanuel Raab für 3deluxe, Wiesbaden

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