Architekten-Blog für Südtirol

Ice Cube – das schwebende Spiegelhaus

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Mark’s House in Flint, Michigan. Man steht fasziniert vor dem schwebenden Haus aus Spiegeln in Flint im US-Staat Michigan und fragt sich: Wie haben sie das gemacht? Ein Haus, dass zu schweben scheint, von weitem aussieht wie zwei übereinander gestapelte Eiswürfel. Ja, wie haben das die Architekten von Two Islands denn gemacht? Und was steckt hinter dem Gebäude, dass eher an ein Kunstwerk erinnert?


Ein Pavillion der Kunst mit Geschichte

Mark’s House ist ein Pavillion der Kunst im Herzen der Stadt Flint und dieser Pavillion ist als Gesamtkunstwerk errichtet und erdacht worden. Verantwortlich für dieses beeindruckende Werk ist das Architektur- und Design-Büro Two Islands.

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Die Geschichte hinter Mark’s House

Im vergangenen Jahr verloren ein junger Mann Mark Hamilton aus Flint, Michigan, und seine Familie ihr Heim. Wie viele ihrer Nachbarn hatten die Hamiltons ihr Tudor-Haus, Baujahr 1890, mit einem Subprime-Kredit gekauft.

Mark Hamilton (21) verlor alles, als die Bank die Rückzahlung für das Haus verlangte und dessen Abriss anordnete. Hamilton war eines der 2.000 Opfer des Immobilienmarkt-Crashs allein in Flint. Oder etwa nicht?

Mark Hamilton und seine Familie gibt es gar nicht. Ihre Identitäten wurden im Rahmen der Hintergrundstory des Pavillons für Pop-up-Kunst im Zentrum der Stadt Flint von Two Islands erfunden. Das Haus ist in der Tat ein Kunst-Objekt.

Jeder verliert etwas – und für hunderte Familien in Flint war das ihr Haus. Was Mark und die Hamiltons betrifft, so meint der Designer Villalobos, haben sich er und seine Kollegen, Cesc Massanas und Tomas Selva, bewusst für eine fiktionale Geschichte aus dem Flint in der Zeit nach 2008 entschieden: „So fühlt sich irgendwie jeder betroffen, bis weit über die notleidende Stadt hinaus“.

„Wir wollten eine Geschichte erzählen, sowohl lyrisch als auch physisch. Deshalb haben wir aus Nachforschungen über die Stadt, ihre Bewohner und deren Geschichten unsere eigene Geschichte gebastelt“, erklärt er.

Two Islands aus London entwickelte und errichtete den Pavillon zusammen mit dem Flint Public Art Project.

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Personalisierte Architektur

Befindet man sich direkt unter dem Werk mit Blick nach oben, entdeckt man in der Decke 882 Boxen, die persönliche Bilder zeigen. Es handelt sich hierbei um Fotos von Anwohnern und etlichen Menschen aus der ganzen Welt, die das Projekt unterstützen.

Man kann jederzeit sein eigenes Foto bei Two Islands einreichen, um ein Teil dieses Designobjekts zu werden. Bisher wurden hunderte Fotos von Menschen aus der ganzen Welt zugesandt, die die Kreativität des Projektes und Bedeutung eines Ortes, an dem man sich heimisch fühlt, unterstützen wollen und gerne daran teilhaben.

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Mark’s House verändert seine Oberfläche mit dem Wetter

Die Details der Installation, ein wesentlich treffender Begriff als ‚Gebäude‘, sind ebenso beachtlich. Marks Haus verändert seine Oberfläche mit dem Wetter.

Das Haus ist wie ein Geschenk in silberne, reflektierende Mylar-Folie gewickelt. An heißen sonnigen Tagen dehnt sich das sehr stabile und beständige Material aus und überzieht das gesamte Werk mit Falten wie die eines Stofftuchs. An regnerischen Tagen wiederum zieht sich das Material zusammen und umschließt eng die Form und bildet eine glatte Oberfläche. Aufgrund einer feuchtigkeitsbindenden Eigenschaft kann sich das Fassadenmaterial je nach Wetterbedingungen ändern.

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alle Bilder © Two Islands

Projektdetails

Architect: Design Team: Two Islands | William Villalobos, Cesc massanas, Tomas
Selva, Scott Hook (London, Madrid)
Auftraggeber: Sorensen & Gross Construction Services (Flint, Michigan)
City: Flint, Michigan, USA

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