Architekten-Blog für Südtirol

Massivbau aus fein strukturiertem Ortbeton

In der kleinsten Stadtgemeinde Österreichs macht ein Gebäude auf sich aufmerksam, das so ganz anders aussieht als seine Nachbarn und sich dennoch perfekt in den mittelalterlichen Ortskern von Rattenberg einpasst. Als Erweiterungsbau für die örtliche Hauptschule, die im angrenzenden ehemaligen Augustinerkloster untergebracht ist, bietet es Räumlichkeiten für die Nachmittagsbetreuung, die Schulspeisung und zwei Unterrichtsräume. Die Planung stammt von dem in Innsbruck ansässigen Architekten Daniel Fügenschuh.

Um Platz für den Neubau zu schaffen, wurde zunächst ein Feuerwehrgebäude aus den 1970er-Jahren abgerissen. An seiner Stelle entstand ein hochrechteckiger, dreigeschossiger Baukörper, dessen eine Schmalseite zur Straße, die andere zum Kloster hin ausgerichtet ist. Eine Dachverglasung über dem Verbindungsbau sorgt für viel Licht. Über eine Treppe im Betonbau gelangen die Schüler ins zweite Obergeschoss. Hier befinden sich ein Klassenzimmer und ein Werkraum. Tageslicht erhalten die Räume über große Dachgauben und kleine Fenster, die flächenbündig zur Innenwand liegen. Sie öffnen sich nicht nach innen, sondern werden innerhalb der Fassadenebene in eine Aussparung im Beton geschoben.

Wie die umgebende Bebauung besitzt auch das Erweiterungsgebäude nur wenige kleine Fenster. Eine Ausnahme ist die Fensteröffnung im ersten Obergeschoss der südöstlichen Fassade zur Straße hin. Im Gegensatz zu den anderen Fenstern groß, fassadenbündig und von einem dunkel eingefärbten Betonrahmen eingefasst, stellt sie den Kontakt zwischen Schule und Stadt her.

Über den Beton

Der nicht unterkellerte Schulneubau mit einer Nutzfläche von rund 500 m² ist auf einem Flächenfundament als Bodenplatte mit Vouten gegründet. Seine 22 bis 30 cm starken Decken überspannen bis zu 10 m. Der dreischalige Wandaufbau wurde in Ortbeton mit innen liegender Dämmung hergestellt, wobei Innen- und Außenwand jeweils 20 cm dick sind. Die Kerndämmung beträgt 16 cm. Beide Schalen des Baukörpers wurden in kleinen Fertigungsschritten betoniert, geschalt wurde mit einer Großflächensichtschalung.

Die Arbeitsfugen gliedern den massiven Betonbaukörper in großformatige Segmente. Diese weisen leicht unterschiedliche Grautöne und verschiedene Oberflächenstrukturen von glatt zu rau auf. Einige Felder wurden poliert, andere maschinell gestockt, wieder andere schalglatt belassen. Die farblichen Graunuancen entstanden durch die Zugabe unterschiedlicher Gesteinskörnungen. So stammt der leicht rötliche Ton einzelner Flächen von einer Marmorsorte, die im Nachbarort gewonnen wird. Trotz klar geometrischer Strenge ist so ein lebendiges Fassadenbild entstanden, das auf verblüffende Art mit den geputzten Fassaden der Altstadthäuser korrespondiert.

Auch bei der Innengestaltung kam Beton zum Einsatz. Während im ersten Obergeschoss verschiedene Materialien verwendet wurden, herrscht im Geschoss darüber Sichtbeton vor – aber auch hier in unterschiedlicher Ausführung. So zeigt eine Wand ein schräg verlaufendes Muster, das durch die Neigung der Schalbretter entstanden ist.

Architekt: Daniel Fügenschuh, Innsbruck/A
Baujahr: 2011
Ort: 6240 Rattenberg, Tirol

Quelle: Baunetz

Sagen Sie uns Ihre Meinung

*