Architekten-Blog für Südtirol

Roter Wein und roter Beton

Amas4arquitectura – Pago de Carraovejas Kellerei – Peñafiel. Was passt besser zu einem Glasl Roten wie roter Beton? Zumindest wenn man Chef der Weinkellerei Pago de Carraovejas in Spanien ist. Die Spanier waren der Meinung zu ihren roten erdigen Rotwein muss auch eine rote und erdige Sichtbeton Front verbaut werden. Um schon von aussen zu zeigen, was innen drin zu erwarten ist.


Die Architekten von Amas4arquitectura verfolgten bei der Planung der Pago de Carraovejas Kellerei eine interessante Philosophie: Man wollte ein Gebäude schaffen, das den Raum betonen soll, den es nicht ausfüllt.

Gleichzeitig sollte der Bestand der alten Kellerei erhalten und von der neuen Architektur umschlossen werden. Entstanden ist ein ganz bewusst lückenhafter Gebäudekomplex.


Das spanische Architekturbüro Amas4arquitectura baute von 2006 bis 2011 die Pago de Carraovejas Weinkellerei bei Peñafiel, Spanien, aus und um. © José María Díez Laplaza & Amas4arquitectura

Die Leerheit als Konzept

Die Betonung der Leere haben die Architekten zum Konzept gemacht. Sie geschieht vor allem durch Auskragungen in der oberen Ebenen, aber auch durch Aussparungen zwischen unterschiedlichen Gebäudeteilen und weitläufige Außenbereiche. Zudem treten große Fensterfronten hinter einen Rahmen aus Terrassen und Auskragungen zurück, der als Sonnenschutz dient.

Wein, Eiche und Beton

Die Hanglage des Grundstückes ermöglicht es, die Schwerkraft für die Weinkellerei zu nutzen. Dadurch wird der Wein schonender verarbeitet, da er nicht gepumpt werden muss.

Die unterschiedlichen Produktionsprozesse sind den Ebenen des Gebäudes zugeordnet. So werden die Trauben im Obergeschoss auf der Nordseite des Gebäudes angeliefert. Die Gärung findet im Zwischengeschoss statt und im Erdgeschoss wird der Wein gelagert und verladen.

Die Räume zur Weinlagerung aus weißem Beton sind dabei in den Hang eingeschoben. Die Betonfassade der repräsentativen Gebäudeteile ist durch Pigmentierung in der Farbe von (Rot-) Wein gehalten und führt sich auch im Innenbereich fort. Im Inneren der Verwaltungs- und Besucherbereiche und in allen übrigen nicht industriell genutzten Räumen wurden Böden und Decken mit dem Holz von Eichenfässern verkleidet.

In Bezug auf Nachhaltigkeit und Energieeinsparungen wurden einfachste Mittel eingesetzt. Neben begrünten Dächern wurden natürliche Baumaterialien wie Gabionen, gefüllt mit Steinmaterial aus dem Umland, verstellbare, externe Sonnenschutzelemente und Klimadecken verbaut.

Weinrote Harmonie

Form und Farbgebung des Komplexes fügen sich harmonisch in das Landschaftsbild der Weinberge ein. Vor allem der weinrote, repräsentative Teil des Gebäudes vermittelt eine angenehme Ruhe und Kultiviertheit, wie man sie womöglich auch mit einem guten Wein assoziierte.

Fakten:

Architekt: Amas4arquitectura
Designteam: Javier López de Uribe, Fernando Zaparaín, Fermín Antuña, Eduardo García
Fertigstellung: 2011
Bebaute Fläche: 10.112,09 m²

Sagen Sie uns Ihre Meinung

*