Architekten-Blog für Südtirol

Steine aus Beton beseitigen Smog

Pflastersteine_Smog_Futureclick

Beton-Pflasterstein reinigt mehr als einen Kubikmeter Luft in der Stunde. Der Winter liegt gerade hinter uns und die Ruhrgebietsstadt Bottrop rüstet sich für den Sommer. Dafür pflastern Arbeiter derzeit einen Teil einer Kreuzung in der Innenstadt neu. Die unscheinbaren Steine aus Beton sollen dafür sorgen, dass die Sonne keinen Sommersmog mehr verursachen kann. Den reinigenden Effekt ermöglicht ein Zuschlagstoff in den Pflastersteinen, Photoment genannt.


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Dieses fotokatalytische Material auf der Basis von Titandioxid verwandelt mit Hilfe der ultravioletten Sonnenstrahlen Stickoxide, aus denen sich Ozon und damit der berüchtigte Sommersmog bildet, in Nitrate um. Diese spült der nächste Regen in die Kanalisation. Die Mengen sind so gering, dass sie keine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Beton mit speziellem Zuschlagstoff

„Einer dieser Steine reinigt nach Berechnungen der TU Berlin mehr als einen Kubikmeter Luft in der Stunde“, freut sich Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler. Die Testfläche ist rund 750 Quadratmeter groß.

Wissenschaftler der Berliner Hochschule haben 1500 dieser Pflastersteine getestet und ihre Wirkung bestätigt. Als erste Stadt in Deutschland hatte Laupheim in Baden-Württemberg Anfang 2014 rund 500 Quadratmeter Bürgersteige mit Photoment-Platten belegt.

Den schadstoffvernichtenden Zuschlagstoff hat die zum Essener Kraftwerkskonzern Steag gehörende Steag Power Minerals gemeinsam mit dem Leverkusener Titandioxidhersteller Kronos Titan entwickelt. Sie knacken nicht nur Stickoxidmoleküle, sie verhindern auch, dass sich an wenig befahrenen und begangenen Stellen organische Beläge wie Flechten oder Moose bilden.

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Wie der Schmutzkiller funktioniert – der Regen wäscht das Nitrat vom Stein. (Grafik: Steag)

Der fotokatytische Effekt sorgt auch für die Zerstörung anderer Schadmoleküle, etwa Motoröl. Photoment kann jedem Betonpflasterstein zugesetzt werden. Der Katalysator ist am effektivsten, wenn die Sonne scheint, funktioniert allerdings auch bei Kunstlicht, etwa unter Straßenlaternen.

Der reinigende Belag kommt aber nicht für lau. Drei bis fünf Euro Mehrkosten enstehen pro Quadratmeter. Der Effekt soll sich laut den Entwicklern nicht abnutzen. Auch der Photoment Beton soll so stabil wie herkömmlicher Baustoff sein.
Schmutzige Städte

Der Einsatz von Photoment ist nicht auf Pflastersteine beschränkt. Sämtliche Formteile aus Beton lassen sich mit dem Luftreiniger versetzen, etwa Dachziegel, Fassadenfarben oder Lärmschutzwände. Das könnte den Städten helfen, die Grenzwerte für die Belastung der Luft mit Stickoxiden einzuhalten, die die Europäische Union festgelegt und für 2015 noch verschärft hat.

140 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft dürfen niemals überschritten werden, 100 Mikrogramm an allenfalls 18 Tagen pro Jahr. Bisher kann kaum eine Stadt im EU-Raum diese Werte einhalten. Ob allein der neue Baustoff die Situation verbessern kann, ist allerdings fraglich – an weniger Autos in den Innenstädten führt wohl auch mit ihm kein Weg vorbei.

Hier noch ein Video zum selbstreinigenden Beton:

via: http://green.wiwo.de/

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