Architekten-Blog für Südtirol

Unter weißem, eisigen Dach

Ein Neubau der Hungerburgbahn in Innsbruck wurde schon seit den 1940er Jahren diskutiert. 2007 war es soweit. Die neue Bahn zur Hungerburg wurde eingeweiht. Die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid gewann den dafür ausgelobten Wettbewerb.


Vom Gletscher inspiriert

Zarah Hadid präsentierte einen Entwurf mit von Gletschern inspirierten Formen, in einer für sie typischen, außergewöhnlichen Formsprache. Die neue Hungerburgbahn verbindet die Innenstadt Innsbrucks in nur 8 Minuten Fahrzeit mit dem Stadtteil Hungerburg. Die Strecke beinhaltet vier Stationen – Congress, Löwenhaus, Alpenzoo und Hungerburg – die allesamt von Hadid entworfen wurden.


Die organischen und ausladenden Überdachungselemente scheinen über dem erdverbundenen Beton zu schweben, denn sie berühren den Boden kaum. Damit die Formen so leicht und ephemer erscheinen, wurde eine innovative Stahl-Aluminium-Unterkonstruktion entwickelt.


Die Architektur der Stationsgebäude orientiert sich laut Zaha Hadid an regionalen landschaftlichen Phänomenen wie den Eis- oder Schneelandschaften. Die Gebäude spielen mit dem Kontrast zwischen massivem Sichtbeton und einer innovativen Schalenkonstruktion aus milchig-weißem Glas.

Bei Schnee und Eis verschmelzen die Stationen mit der Umgebung. Die Überwindung der 288 Höhenmeter mit der neuen Hungerburgbahn ist wie eine Reise durch die Gedankenwelt Zaha Hadids.

Innovative Technik

Eine Besonderheit der Konstruktion ist die Gebäudehülle aus thermisch geformtem Glas. Die insgesamt mehr als 1.100 verschiedenen Elemente aus einfachem Floatglas wurden in China hergestellt und vor Ort auf die Unterkonstruktion befestigt. Weil herkömmliche Befestigungsmethoden aufgrund der komplexen Geometrie nicht angewendet werden konnten, wurde speziell für das Projekt eine eigene Methode entwickelt. Voraussetzungen für die Konstruktion waren unter anderem die Forderung nach nicht sichtbarer Verbindungen und die sehr unterschiedliche Geometrie der einzelnen Elemente.

An die Glasscheiben wurden standardisierte Metallstreifen geklebt. Diese wiederum wurden auf digital CNC-gefertigte und individuelle PE-Profile geschraubt, die auf den Stahlschotten der Tragkonstruktion sitzen. Die Fugen auf der Unterseite wurden aus bauphysikalischen Gründen offen gelassen. Auf der Oberseite der Dächer wurden die einzelnen Elemente dauerelastisch abgedichtet.

Das Glas wurde auf der Innenseite mit einer hellgrünen, opaken Beschichtung versehen, damit erhielt es ein Aussehen, das an Eis erinnert. Und in der Tat scheint die Architektur der Gebäude vor allem bei Schnee und Eis mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Nur die dunklen, markanten Fugen wollen so gar nicht zu den dezenten Oberflächen passen, obwohl sie konstruktiv unabdingbar sind und gleichzeitig die Geometrie der einzelnen Elemente begreiflich machen.

Bauherr: ARGE Nordkettenbahn
Architekt: Zaha Hadid Architects
Baujahr: 2007
Höhenunterschied: 288m
Höhe Talstation: 569 m
Höhe Bergstation: 857 m

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