Architekten-Blog für Südtirol

Zwischen Denkmalschutz und Bahnhofsoffensive

Der weiße Bahnhof. Der Umbau des Salzburger Bahnhofs und die Grundsatzdebatte darüber, was erhaltenswert ist und was nicht – kein leichtes Unterfangen für Kadawittfeldarchitektur.



Bahnhof Salzburg. Aus alt mach neu.

Als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Landes Salzburg soll der neue Hauptbahnhof Salzburg den Reisekomfort wie auch die Verkehrsabwicklung verbessern.

Der derzeitige Kopfbahnhof wird zu einem Durchgangsbahnhof umgebaut, der den Anforderungen eines modernen Bahnzeitalters gerecht wird. Die Umbauarbeiten finden unter laufendem Betrieb statt. Der Teilbetrieb des neuen Bahnhofes erfolgt 2012, der neue Kundenbereich wird 2013 komplett in Betrieb genommen. In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt entsteht in den nächsten Jahren einer der modernsten Bahnhöfe Österreichs, wobei die historische Dachkonstruktion über dem heutigen Mittelbahnsteig erhalten bleibt.

Der Umbau des Bahnhofes Salzburg zeigt nur zu gut, welch seltsame Kompromisse entstehen können, wenn man als Planer – in diesem Fall kadawittfeldarchitektur – extrem kontroverse Ansichten berücksichtigen muss: Es stehen sich hier nämlich die Ziele der ÖBB und die Belange des Denkmalschutzes gegenüber.

Die Österreichischen Bundesbahnen wollen mit ihrer Bahnhofsoffensive veralteten Bahnhöfen zu Leibe rücken. Wie bei den meisten aktuellen Bahnhofsprojekten geht es auch hier vor allem um Modernisierung: Ersetzen der Kopfbahnsteige durch Durchgangsbahnsteige, barrierefreies und komfortables Zu- und Umsteigen und die Integration von Einzelhandels- und Gastronomieflächen, um den Profit der Bahnhofsgebäude zu erhöhen. Denkmalschützer und einige Salzburger Bürger hingegen stellten sich mit ihrem Protest dem Projekt von Anfang an in den Weg.

In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt entsteht in den nächsten Jahren einer der modernsten Bahnhöfe Österreichs, wobei die historische Dachkonstruktion über dem heutigen Mittelbahnsteig erhalten bleibt. Die derzeit bestehenden Personentunnel werden durch eine breite Passage abgelöst.



Was ist erhaltenswerte Architektur und was kann weg?

In Abstimmung mit den Bedingungen der UNESCO, die große Teile des historischen Salzburgs 1996 auf die Weltkulturerbeliste setzten, sollte die Fassade des Bahnhofs erhalten bleiben und saniert werden. Auch das stählerne Bogentragwerk über dem ehemaligen Mittelbahnsteig wurde von Denkmalschützern als bedeutsam und von der Öffentlichkeit als schön bewertet.

Man entschied sich, es zu erhalten, was in diesem Fall bedeutete, dass die stählerne Dachkonstruktion abtragen wurde und nun komplett saniert und anschließend wieder in den umgebauten Bahnhof integriert werden soll. In der Eingangshalle wurden interessante Fliesenbilder entdeckt und kurzum beschloss man, auch diese zu restaurieren, beziehungsweise sie zu rekonstruieren. Auch die Jugendstil-Fenster werden wieder hergestellt, nachdem jahrelang unschöne Industrieglasfenster kaum Licht in die Halle ließen.

Ein Stück Altes im Neuen

Natürlich wird der Salzburger Bahnhof auch zeitgenössische Architektur enthalten, wenn er wie geplant 2014 fertig gestellt ist: kadawittfeldarchitektur haben für die neuen Durchgangsgleise eine edle, weiße Überdachung geplant, welche als Aushängeschild für das moderne Salzburg die Reisenden empfangen und die Wartenden bedachen soll.

Der Umbau wird unter laufendem Betrieb des Bahnverkehrs stattfinden. Während der verschiedenen Bauphasen kommt es zu vorübergehenden Sperren einzelner Bahnsteige. Die betroffenen Züge fahren dann jeweils andere Bahnsteige an.

Hohe Anforderungen werden auch an die Logistik gestellt, da die Bauarbeiten im innerstädtischen Raum auf sehr beengten Platzverhältnissen durchgeführt werden müssen.

Architekten: kadawittfeldarchitektur – Salzburg Hauptbahnhof – Salzburg

Quelle Architektur: Mapolis

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